Schulstation

Liebe Eltern und Erziehungsberechtigte,  


vielleicht kennen Sie den Brief des französischen Bildungsministeriums. Wir finden den Inhalt sehr treffend. Wir möchten deshalb den Inhalt mit Ihnen teilen. An einigen Stellen haben wir allerdings andere Worte gewählt, als im französischen Original.  

Möglicherweise neigen Sie im Moment dazu, Ihre Kinder immer wieder zum Lernen zu drängen. Sie haben große Hoffnungen auf stundenlanges Lernen. Egal ob mit Arbeitsblättern und Arbeitsheften oder mit Angeboten im Internet oder Online. Vielleicht verbieten Sie auch viele Dinge, bis alles erledigt ist.

Aber hier ist die Sache…
– Unsere Kinder haben genauso viel Angst wie wir jetzt.
– Unsere Kinder können nicht nur alles hören, was um sie herum vor sich geht, sondern sie spüren auch unsere ständige Spannung. Unsere Angst. Unsere Unsicherheit. Sie haben so etwas noch nie erlebt.
– Erst klingt die Idee großartig, 4 Wochen lang nicht zur Schule zu gehen. Sie stellen sich wahrscheinlich eine tolle Zeit wie Sommerferien vor. Sie haben sich bestimmt nicht vorgestellt wie es jetzt wirklich ist: zu Hause gefangen zu sein und Freunde nicht sehen dürfen.  

In den nächsten Wochen werden die Verhaltensprobleme Ihrer Kinder zunehmen. Ob es Angst, Wut oder Protest ist, dass sie die Dinge nicht normal machen können – es wird passieren. Sie werden in den kommenden Wochen weitere Anfälle, Wutanfälle und schwierige Verhaltensweisen sehen. Dies ist normal und wird unter diesen Umständen erwartet.  

Was Kinder jetzt brauchen, ist sich wohl und geliebt zu fühlen.
– Fühlen, dass alles gut wird.
– Und das könnte bedeuten, dass Sie Ihre Pläne und Vorstellungen ändern müssen und Sie Ihre Kinder ein bisschen mehr lieben müssen als sonst.
– Kekse backen und Bilder malen.
– Spielen Sie Brettspiele und schauen Sie sich Filme an.
– Beginnen Sie ein Buch und lesen Sie gemeinsam als Familie.
– Kochen Sie zusammen und hören Sie gemeinsam Musik.
– Kuscheln Sie sich unter warme Decken und tun Sie nichts.  

Machen Sie sich keine Sorgen, dass Ihr Kind in der Schule keine Fortschritte macht. Jedes Kind ist betroffen und alles wird gut. Wenn wir wieder in der Schule sind, dann werden wir wieder unterrichten. Wir werden alle Kinder dort abholen, wo sie sind. Lehrer sind Fachleute!  

Erinnern Sie Ihre Kinder an die Schulaufgaben, unterstützen Sie sie.
– Aber: Kämpfe nicht mit Deinen Kindern, weil sie nicht rechnen, lesen oder schreiben wollen.
– Schreie Deine Kinder nicht an, wenn Sie deinen Vorstellungen nicht folgen.
– Setze keine 2 Stunden Lernzeit ein, wenn sich Dein Kind dagegen wehrt.  

Wenn wir Ihnen etwas ganz sicher sagen können, dann ist es das Folgende:
– Am Ende wird die psychische Gesundheit unserer Kinder wichtiger sein als ihre akademischen Fähigkeiten.
– Und was sie in dieser Zeit fühlten, wird ihnen noch lange erhalten bleiben. Die Erinnerungen an das, was sie in diesen Wochen gearbeitet haben, werden dann längst verschwunden sein.  

Denken Sie jeden Tag daran.  

Passen Sie bitte auf Sich auf.

Die Schulstation ist ein Angebot der Hamfeldschule in Kooperation mit der  Stadt Bielefeld (Schulamt, Jugendamt und Gesundheitsamt) und der Diakonie für Bielefeld.

Für wen ist das Angebot?

Seit 2009 unterstützen wir mit der Schulstation Kinder und Jugendliche aller Bielefelder Schulen und Schulformen und ihre Familien. Sie befinden sich in psychischen Krisen und fühlen sich den Anforderungen eines Schulalltages nicht (mehr) gewachsen. Dadurch kommt es zu Fehlzeiten oder anderen Problemen in der Schule bzw. zuhause.

Sie gehen nicht zur Schule, bleiben oft sogar im Bett. Sie  klagen über Bauch- oder  Kopfschmerzen, über Übelkeit oder  einfach über Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Sie meiden den Kontakt zu Mitschüler*innen und sind häufig beim Kinderarzt. Manche haben auch Kontakt zu Kinder- und Jugendpsychiater*innen bzw. Therapeut*innen.

Andere erklären, dass sie Schule sinnlos finden – zu voll, zu laut, zu anstrengend -. Scheinbar finden sie mehr persönliche Bestätigung in Onlinespielen oder virtuellen Kontakten. Der Streit um Mediennutzungszeiten eskaliert täglich.
Gespräche in Schulen helfen manchmal nicht mehr, diese Schüler*innen wieder mit Lehrkräften in Beziehung zu bringen.

Eltern sind erschöpft und enttäuscht über sich und das Kind.  Sie kommen in Erklärungsnotstand, wissen nicht (mehr) wie sie reagieren sollen. Manchmal hilft nur noch die Krankmeldung.
Zuhause dreht sich alles um den Schulbesuch, der wieder nicht klappt.

Die Erfahrungen zeigen, dass diese Kinder und Jugendlichen häufig nicht nur in dem Bereich Schule Schwierigkeiten haben, sondern sich auch in anderen Lebensbereichen (Familie, Freundschaften, Freizeit,…)  belastet fühlen und deshalb den Schulbesuch nicht (mehr) schaffen.

Übergreifendes Ziel der Schulstation ist es, die Unterstützungsangebote aus Schule/Beruf, Jugendhilfe und Psychiatrie/Therapie gemeinsam mit den Kindern/Jugendlichen und deren Familien, bestmöglich aufeinander abzustimmen und ein bedarfsgerechtes Angebot zu entwickeln.

Was bieten wir an?

Alle Anfragen werden zunächst im Team der Schulstation aufgenommen. Im anschließenden offenen Beratungsprozess wird nicht nur auf die Angebote der Schulstation fokussiert, sondern es werden alle anderen Angebote unserer Netzwerkpartner aus Jugendhilfe, Psychiatrie/Therapie, sowie Schule und Übergang Schule/Beruf mit einbezogen.

Wie arbeiten wir konkret:

  • Jede Anfrage beginnt mit der Informationssammlung zusammen mit den Beteiligten. So entsteht ein  gemeinsames Verständnis für die Situation und es werden erste realistische Veränderungsideen entwickelt.
  • Überlegungen zu hilfreichen Veränderungen richten sich an das Regelschulsystem, an das Familiensystem  und an die Zusammenarbeit der beteiligten Fachkräfte und deren Angebote.
  • Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern werden von uns dabei persönlich begleitet und unterstützt. Wir vermitteln nicht weiter, sondern wirken aktiv mit, bis neue Schritte bzw. Unterstützungsangebote umgesetzt und wirksam werden.
  • Wir setzen uns ein für eine zeitnahe Rückkopplung mit allen Beteiligten zur Einschätzung der Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen, deren Weiterentwicklung bzw. Anpassung.

Für wen kann unsere Lerngruppe auf Zeit ein Angebot sein?

  • Für jüngere Schüler*innen aller Bielefelder Schulen und Schulformen ab Sek. I,  die aufgrund psychischer Belastung nicht direkt in eine Klasse/Lerngruppe einer Schule gehen können (auch nicht bei reduzierter Stundenzahl); die eine „Auszeit“ brauchen und diese Zeit nicht passiv zu Hause verbringen, sondern für kurze Phasen in die Lerngruppe kommen z.B. 
    • zur Überbrückung der Wartezeit bis zur Aufnahme in die Kinder- und Jugendpsychiatrie,
    • zur Wiedereinstiegsunterstützung und Planung nach Entlassung aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie,
    • bei längeren Krankheitsphasen oder Fehlzeiten nach denen zunächst die Wiederaufnahme einer Tagesstruktur erforderlich ist,
    • um eine Pause von der Regelschulsituation und der familiären Belastungssituation zu ermöglichen,
    • um eine Tagesstruktur, Beschäftigung und Aktivierung außerhalb von zuhause zu erleben, Erfolge zu spüren, Lernen wieder mit Spaß zu verbinden, kleinschrittige Ziele zu erreichen,
    • um die Gruppe als Austauschrunde zu den eigenen Themen zu nutzen,
    • um Schulstoff zu bearbeiten, damit der Anschluss an Schule wieder möglich wird,
    • parallel dazu mit den Eltern intensiv an ihren Themen, Fragen und Sorgen zu arbeiten, um eine Entlastung und Veränderung in das Familiensystem zu bringen.

Wie komme ich mit der Schulstation in Kontakt?

Eltern, Lehrer*innen, Schulsozialarbeiter*innen  sowie Fachkräfte aus der Jugendhilfe,  Psychiatrie und Therapie…  können sich direkt an uns wenden, um nach einer gemeinsamen Problemanalyse erste Veränderungsideen zu entwickeln, die wir bei Bedarf begleiten. 

Die Schulstation befindet sich in der Verbundschule Hamfeld / Kupferhammer  in Schildesche.

Schulstation
Hamfeldstraße 10
33611 Bielefeld

Telefon:         0521 / 3293345 oder 3293346

Email:            schulstation@hamfeldschule.de 

Homepage:   http://www.hamfeldschule.de/schulstation/schulstation.html        

Das Team der Schulstation:

Frau Haffert (Dipl.-Sozialarbeiterin)
Frau Kipp (Lehrerin für Sek. I und Sonderpädagogin)
Frau Osten-Vogt (Dipl.-Sozialpädagogin)
Herr Somberg (Lehrer für Sek. II und Sonderpädagoge)

Link zum Flyer mit Informationen zum Angebot der Schulstation auch zum Ausdrucken